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Prof. Dr. E. Tholen, Universität Bonn

Prof. Dr. E. Tholen, Universität Bonn

Drei Jahrzehnte Tierzucht – Wissenschaftlicher Fortschritt, gemeinsame Strukturen und neue Herausforderungen

Prof. Dr. E. Tholen von der Universität Bonn blickte auf zentrale Forschungsthemen und Projekte zurück, an denen der FBF beteiligt war. Er spannte den Bogen von frühen Arbeiten zur Kartierung von Defektgenen beim Schwein und zur Genomanalyse beim Rind bis hin zu aktuellen Projekten zu Hitzetoleranz, Methanemissionen und künstlicher Intelligenz.

Tholen betonte die wissenschaftliche Bedeutung vieler FBF-Projekte – auch dort, wo Ergebnisse nicht unmittelbar in die Praxis übertragen werden konnten. Für die Zukunft wünschte er sich eine nachhaltige Verbesserung des Images der Nutztierhaltung. Sein Fazit: Der FBF war und bleibt ein wichtiges Instrument, um Forschungsmittel einzuwerben und gemeinsame Vorhaben zu koordinieren.

 


Prof. Dr. C. Klein, FLI

Prof. Dr. C. Klein, FLI

Quo Vadis NGT?

Prof. Dr. C. Klein vom Friedrich-Loeffler-Institut gab einen Einblick in die Entwicklungen der Genomeditierung. Die Möglichkeiten der CRISPR-Cas9-Technik veranschaulichte sie anhand eines Legobaukastens. Im Mittelpunkt standen die Chancen gezielter genetischer Veränderungen sowie Fragen des Tierschutzes, der Nachweisbarkeit und der rechtlichen Einordnung.

Klein zeigte Unterschiede zwischen den internationalen und europäischen Rahmenbedingungen auf und erläuterte deren Bedeutung für Forschung und Wettbewerb. Auch die unterschiedlichen rechtlichen Voraussetzungen für das Klonen von Nutztieren wurden thematisiert.

Ein weiterer Schwerpunkt lag auf spermatogonalen Stammzellen und deren Potenzial für die Weiterentwicklung und effizientere Anwendung der Genomeditierung. Abschließend sprach sich Klein dafür aus, in Deutschland mehr Möglichkeiten für die biotechnologische Forschung an Nutztieren zu schaffen.

 


Prof. Dr. M. Schulze, IFN Schönow und Prof. Dr. D. Waberski, TiHo Hannover

Prof. Dr. M. Schulze, IFN Schönow und Prof. Dr. D. Waberski, TiHo Hannover

Spermaqualität im Wandel – Status Quo und Perspektiven

Prof. Dr. D. Waberski von der Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover und Prof. Dr. M. Schulze vom IFN Schönow beleuchteten die Entwicklung der Spermaqualität bei Schwein und Rind. Ihren Ausführungen zufolge lässt sich im Nutztierbereich bislang keine mit der beim Menschen diskutierten Entwicklung vergleichbare Spermakrise feststellen.

Waberski unterstrich, dass für die Beurteilung der Fruchtbarkeit sowohl die männliche als auch die weibliche Seite und mögliche Inkompatibilitäten berücksichtigt werden müssen. Zugleich verdeutlichten Themen wie zunehmende Antibiotikaresistenzen und die Auswirkungen von Hitzestress den anhaltenden Forschungsbedarf. Sie hob die Rolle des FBF als Projektkoordinator hervor und erinnerte daran, dass Forschung kein Selbstläufer ist.

Schulze dankte den Besamungsstationen für ihre Unterstützung der Forschungsvorhaben. Am Beispiel der Entwicklung des Kontrollsystems der Stationen zeigte er, wie wichtig eine verlässliche Zusammenarbeit zwischen Wissenschaft und Praxis ist. Die Diagnostik der Spermaqualität habe sich in den vergangenen Jahren deutlich weiterentwickelt. Besondere Zukunftschancen sieht er im Einsatz künstlicher Intelligenz zur automatisierten Beurteilung der Spermienmorphologie. Der FBF leiste einen wichtigen Beitrag dazu, solche Forschungsergebnisse für die Praxis nutzbar zu machen.

 


Prof. Dr. Nils Borchard, DLG Research & Innovation

Prof. Dr. Nils Borchard, DLG Research & Innovation

Welche Forschung braucht die Landwirtschaft von morgen?

Dr. Nils Borchard von DLG Research & Innovation stellte den Transfer wissenschaftlicher Erkenntnisse in die landwirtschaftliche Praxis in den Mittelpunkt seines Vortrags. Er erläuterte, wie die DLG und ihre Ausschüsse den Austausch zwischen Forschung und Praxis unterstützen – und welche Herausforderungen sich durch begrenzte zeitliche Kapazitäten für das fachliche Engagement ergeben.

Borchard sprach sich für eine engere Verbindung zwischen Forschungseinrichtungen und landwirtschaftlicher Praxis aus. Auch die DLG müsse ihren Austausch mit der Wissenschaft weiter stärken. Erfolgreiche Projekte müssten wissenschaftlich fundiert, unter Praxisbedingungen geprüft, rechtlich umsetzbar und wirtschaftlich nachvollziehbar sein. Dafür sei es entscheidend, Praxispartner bereits in die Projektplanung einzubeziehen.

Für die Zusammenarbeit von DLG und FBF sieht Borchard vielfältige Anknüpfungspunkte. Das gemeinsame Ziel: Forschungsergebnisse wirksam in die landwirtschaftliche Praxis zu bringen.

 


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Gemeinsam mehr erreichen – 30 Jahre gemeinsame Forschung im FBF

Zum Abschluss blickte Dr. Claus Leiding, ehemals BVN e. V., auf die Entwicklung des FBF zurück. Schon vor dessen Gründung gab es Bestrebungen, wissenschaftliche Kompetenzen für gemeinsame Forschungsaufgaben zu bündeln.

Auf Einladung Leidings schilderte FBF-Mitbegründer Prof. Dr. K.-F. Weitze, ehemals Tierärztliche Hochschule Hannover, die Anfänge des Vereins. Einen besonderen Moment bildete die Übergabe des ersten Forschungsberichts an den FBF.

Leiding zeichnete anschließend die weitere Entwicklung nach. Mit der Öffnung für die Rinderproduktion im Jahr 2004 wurde die Zusammenarbeit über die Tierarten hinweg erweitert. Dies bezeichnete er auch als eine Grundlage für die spätere Zusammenführung der Dachverbände der Rinder- und Schweinezucht im heutigen BRS. Ergänzend erläuterte Dr. Hannen die Bedeutung der FUGATO-Projekte für die Rinderzucht.

Neben wissenschaftlichen Erfolgen würdigte Leiding das Engagement der FBF-Geschäftsführung für die Interessen der Mitgliedsorganisationen. Auch die Audits der Besamungsstationen hob er als Gelegenheit hervor, Verbesserungsmöglichkeiten in einem internen, fachlichen Austausch zu diskutieren. Er schloss mit einem persönlichen Dank für die gemeinsame Zeit und guten Wünschen für die Zukunft des FBF.

 


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Die FBF-Fachtagung 2026 machte deutlich: Gemeinsame Forschung lebt von langfristiger Zusammenarbeit, Vertrauen und dem Austausch zwischen Wissenschaft und Praxis. In den vergangenen 30 Jahren hat sich der FBF zu einer wichtigen Plattform für praxisorientierte Forschung bei Rind und Schwein entwickelt.

Klimaanpassung, Digitalisierung, künstliche Intelligenz und neue biotechnologische Verfahren eröffnen weitere Forschungsfelder. Der FBF wird diesen Wandel gemeinsam mit seinen Mitgliedern und wissenschaftlichen Partnern mitgestalten – getreu dem Jubiläumsmotto: FORSCHEN. FÖRDERN. GESTALTEN. VERNETZEN.

 


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